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Von Mama Ärger und Hochbegabung

Seit Monaten höre ich im Bekanntenkreis ständig Diskussionen mit an:

„Ob Kind XY eher eingeschult werden soll? Ob es noch den vierten Förderkurs mitmachen müsste. Das es schon dies oder jenes kann, was in dem Alter super selten wäre..Laut der Liste XY“ etc etc etc.

Anscheinend denken viel zu viele Eltern, dass ihr Kind besser, toller und vorallem WEITER ist als alle anderen Kinder im Umfeld.

Warum um Himmels Willen ist das so? Warum denken soviele Eltern, dass grade ihr Kind übermässig schlau, besonders weit oder sogar hochbegabt sei? Haben diese Eltern Angst, sie könnten es übersehen, und es somit benachteiligen? Was ich an sich verstehen würde.. aber ehrlich: Wenn alle Eltern, die ich kenne, Recht hätten, oh mein Gott, dann hätten wir aber in einigen Jahren eine Top-Liga von super Schlauen hier.

Ich habe keine Ahnung was es bringen soll, ein Kind zu fördern, zu fördern und wieder zu fördern, und zwar so extrem, dass dadurch das Wichtigste verloren geht:

Die Kinder- und Spielzeit.

Und ich bin mir sicher, dass mehr als die Hälfte eben nicht hochbegabt sind, sondern ganz normale Kinder,die einfach in bestimmten Bereichen weiter als Andere sind.

Meine Kleine war z.b immer ein bisschen spät, Andere konnten schon krabbeln, sie später. Prompt wurde ich gefragt, was denn los sei, das sei ja schon SEHR spät, das MÜSSTE jetzt aber so und so sein. Nicht dass es später Probleme gibt und sie gar nicht laufen lernt…

Furchtbar! Das zog sich wie ein roter Faden durch ihre „Baby und Kleinkind-Zeit“.

Andere Mütter, deren Kinder ja „total früh, viiiel früher“ krabbelten, oder sich drehen konnten, trösteten mich, aber ich ahnte, dass sie es insgeheim toll fanden, das ihr Kind SO besonders und weiter als meine Süsse war.

Warum dieser Mütterneid? Mein Haus, mein Auto, mein Kind oder wie?

Ich schwieg dazu meist. Auch als mein Kindlein lange nichts sagte ausser „Mama“ und „Papa“, kamen wieder von allen Seiten die Fragen auf. “ Sie müsste aber mal mehr sprechen, dass sei nicht normal. Geh doch mal zum Arzt“.

Aber doch, es war normal. Weil ich mein Kind kenne, es einfach ein bisschen langsamer ist, und sich Sachen erst einmal anschaut bevor sie handelt. So ist sie eben, und das weiss ich, weil ich mich mit ihr beschäftige, sie mir ANSCHAUE und nicht nur auf LEISTUNGEN achte, in Form von „Dinge früh können als Andere“, die in Büchern als reine Anhaltspunkte für die Entwicklung stehen. Auf solche Sachen und Listen achte ich nicht, ich achte auf mein Kind.  Das war als Baby so, und es wird immer so weiter gehen. Ich achte auf Sie, betrachte Sie als kleinen Menschen mit eigenen Bedürfnissen und eigenen Verhaltensweisen, wozu auch die Entwicklung gehört. Und da jeder Mensch anders und einzigartig ist, so ist auch jedes Kind anders und in seinem Tun und Handeln eben anders als Andere. Der Eine kann das, der Andere jenes. Der Eine kann etwas eher, der Andere später. Das ist einfach so. Und in bestimmt 80% der Fälle, die als solche betitelt werden, hat es eben nichts mit Hochbegabung zu tun.

Ich habe mich mit einer alten Schulfreundin unterhalten, die heute als Grundschullehrerin arbeitet. Sie sagt, es sei erschreckend, wieviele Eltern zu ihr kommen mit z.B Bildern oder Sachen die das Kind geschrieben und gemalt haben soll, und es für besonders begabt halten, obwohl es ganz normale Sachen sind, die wollen das ihr Kind eine Klasse überspringt, oder die die Meinung zu ausserschulischer Förderung hören möchten (wir reden von der Grundschule!).“Es gibt so viele Eltern, die meinen, ihr Kind sei besonders begabt und intelligent, dass ist manchmal unfassbar,  weil man sieht, dass sie damit ihr Kind einem riesen Druck aussetzen“.

Ich persönlich finde das schlimm. Schliesslich reden wir hier von Kinder, von Menschen.

Keine kleine Roboter die für Mama und Papa funktionieren müssen, keine Status Symbole mit denen angegeben werden kann.

Ein Kind ist ein Kind. Und das soll es sein, und nicht das, was Mama oder Papa gerne möchten.

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